Texte über die Liebe

Christian von Kamp

Anbei einige meiner Aphorismen, Sprüche und sonstigen Texte über die Liebe (wer möchte, kann sie für die eigene Homepage verwenden, aber bitte dabei meinen Namen nennen, und über einen Link auf meine Hauptseite http://www.christian-von-kamp.de (Bücher, Romane, kostenlose eBooks) würde ich mich auch freuen - danke!).

Neu: Das Erlebnis der Liebe in Nahtoderfahrungen.

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Sprüche über die Liebe

Jeder Versuch, die Liebe mit Worten zu definieren, wird vergeblich sein. Ist Liebe das Bedürfnis, dem anderen Gutes zu tun? Ist Liebe das Verlangen, dem Geliebten nahe zu sein? Ist Liebe das warme Gefühl, wenn ich dem Geliebten in die Augen schaue? Oder ist Liebe Fürsorge, Wohlwollen, Verantwortung füreinander, innige Gemeinsamkeit? All dies mögen Teilaspekte sein, doch letztlich ist Liebe nicht zu beschreiben.

"Liebe ist nichts als ...": Selten gibt es eine Aussage, die so falsch ist wie diese. Denn Liebe ist so umfassend, daß sie nicht auf einen einzigen Bereich eingegrenzt werden kann. Wer Liebe gar nur als chemische Reaktion oder als nützliche soziale Komponente zu erkennen glaubt, ist zutiefst zu bedauern.

Lieben - oder Nicht-Sein, das ist immer die Frage. (frei nach Shakespeare)

Wer liebt und geliebt wird, ist reich. Arm ist, wer trotz materieller Reichtümer ohne Liebe bleibt.

Liebe ist Leben, denn sie öffnet Gefühl, Verstand und Sinne.

Liebe ist auf die Ewigkeit hin angelegt. Zwar kann sie bei Enttäuschung, Gleichgültigkeit, Vernachlässigung und ähnlichem abnehmen oder ganz vergehen. Doch wie der Mensch sich ein ewiges Leben ersehnt, kann er sich auch mit dem Gedanken einer Vergänglichkeit der Liebe nur schwer abfinden.

Liebe ist die Selbstüberschreitung des Ich auf ein Du hin.

Liebe ist das Geschenk der eigenen Person an eine andere - ein Geschenk, das nicht zum Verlust führt, sondern zur Erfüllung.

Auch Liebe bedarf der Pflege. Schenke ich dem Geliebten weniger Aufmerksamkeit, kann die Liebe allmählich an Stärke verlieren. Lasse ich hingegen in mir dem Wunsch Raum, dem Geliebten jeden Tag aufs Neue Freuden zu bereiten, kann die Liebe dadurch wachsen.

Liebe formt, ändert das Fühlen, Denken, Urteilen, das Reden und Handeln - und damit die Welt.

Ein Liebender sieht Wunder, die dem Nichtliebenden verborgen bleiben.

Wer liebt, ist Beschenkter und Schenkender zugleich.

Jedes Menschen Liebe ist anders, so wie auch jeder Mensch ein anderer ist.

Wer liebt, sieht mit mehr als zwei Augen, hört mit mehr als zwei Ohren, fühlt mit mehr als einem Herz.

Liebe ist ein zartes und verletzliches Gewächs, man muß behutsam mit ihr umgehen.

Teilend schafft die Liebe Einheit.

Liebe: Gleichklang trotz Verschiedenheit.

Gib - gib Dich - gib Dich hin: und finde Dich dabei.

Liebe: gleichzeitige Bindung und Befreiung Deiner selbst.

Liebe: selbstverschenkend selbstwerdend.

Was Auge und Verstand nicht sehen und begreifen, kann die Liebe erfühlen.

Liebe: unsichtbar und leise eine der größten Wirklichkeiten.

Liebe: der tiefste Grund für unsere Existenz.


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Längere Texte über die Liebe

Liebesbekenntnis

"Immer schon habe ich Dich geliebt.
Immer werde ich Dich lieben."

Diese beiden Sätze, die ich in der Biographie eines indischen Yogi fand und die die Liebe zwischen Guru und Jünger kennzeichnen sollten, lösten in mir wohligen Schauer aus.

"Immer schon habe ich Dich geliebt.
Immer werde ich Dich lieben."

Ich mußte an unsere Liebe denken, an die Liebe zwischen Dir und mir. Es kam mir so vor, als träfen diese Worte auch auf uns zu, auf unsere Liebe..

"Immer schon habe ich Dich geliebt."

Natürlich kenne ich Dich nicht schon "immer", und liebe Dich nicht seit jeher. Ich vermute es zumindest, beweisen kann ich es nicht. Ich lebe ja auch nicht schon "immer". Oder vielleicht doch, als Seele. Jedenfalls kann ich mich nicht an ein Immer erinnern, ein Immer voller Liebe. Und als wir uns kennenlernten, damals in dem kleinen Büro, wo man uns zusammensetzte, ohne uns vorher gefragt zu haben: Da war noch keine Liebe zwischen uns. Gut, wir fanden uns von Anfang an sympathisch, aber Liebe? Echte Liebe, nicht nur Sympathie? Die Liebe wuchs erst mit der Zeit, fing klein an und wurde dann immer größer. Und dennoch, es kommt mir so vor, als hätte ich Dich immer schon geliebt. Kaum kann ich mir vorstellen, je ohne Dich gelebt zu haben, ohne die Liebe zu Dir. Nein, an die Wiedergeburt des Menschen glaube ich nicht, an die hunderte oder tausende von irdischen Leben, die jeder einzelne durchläuft, oder an den ewigen Kreislauf des Lebens, wie eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Alles nur Wiederholung? Immer und immer wieder? Schon einmal mit Dir verheiratet gewesen sein, schon einmal in Liebe zu Dir entbrannt sein, oder ein dutzend Mal, oder unendlich oft? Und doch ist mir, als würden wir einander schon sehr lange kennen, weit über dieses Leben hinaus. Und nicht nur kennen, sondern lieben. Als hätte die Liebe nicht vor zwanzig Jahren angefangen, aus den Nichts heraus, sondern hätte nur geschlafen und sei allmählich wieder aufgewacht. Als sei immer schon Liebe gewesen.

"Immer schon habe ich Dich geliebt."

In Dir und in mir ist etwas, lebt etwas, das so schwer beschrieben werden kann, und das doch im Grunde so einfach ist. Vertrauen ... Heimat ... Liebe ... Wie armselig, wie hilflos stammelnd ist doch unsere Sprache, wenn sie etwas ausdrücken oder auch nur beschreiben, nur umschreiben soll, was von tieferem Sein und Sinn ist als Brot, Spiele, Geld, Job. Manchmal möchte ich die Sprache einfach wegwerfen und schweigen. Dann käme ich diesem so Schweren und doch so Einfachen vielleicht näher. Oder: Gefühl? Was ist Gefühl? Wenn darüber geredet, geschrieben wird, dann ist es in Gefahr, sein Eigentliches zu verlieren. "Gefühl" deutet vielleicht die Richtung an, in der sich das vollzieht, was Liebe bedeutet. Aber Gefühl läßt sich so leicht mißbrauchen, mißdeuten, ist oft nichts als Gefühligkeit, als Sentimentalität, als Hysterie.

Liebe ein bloßes Gefühl? Liebe als Gefühlschemie? Liebe nur Gefühlselektrik? Liebe ein Sozialtrick, von der "Natur" (wer oder was auch immer das sein mag) geschaffen, um das Zusammenleben in Gesellschaften zu ermöglichen und die Fortpflanzung zu sichern? Armselig ist nicht nur die Sprache. Armselig und krank sind die Menschen, die so denken. Kleine Gedanken, die kommen und auch wieder gehen, nicht wert, sie im Gedächtnis zu behalten.

Doch Du, Du bist. Und Du warst. Wie auch unsere Liebe war und ist. Und sein wird.

"Immer werde ich Dich lieben."

Unvorstellbar, daß unsere Liebe je endet. Es kommt mir vor, als wäre das unmöglich. Du weißt, ich bin kein Spinner, kein Theoretiker, kein traumverlorener Idealist. Doch wie Liebe sich als seit Ewigkeit bestehend empfindet, so besteht sie auch in die Ewigkeit hinein. Liebe will immer fortdauern.

Du weißt, und ich weiß, in einem Monat oder in vierzig Jahren wirst Du sterben, werde ich sterben. Doch unsere Hoffnung, unser Sehnen ist, daß die Seele lebt, daß die Liebe lebt, daß sie vielleicht vorübergehend schläft, aber lebt. Die Liebe: für alle Zeit, für die Ewigkeit.

"Und immer werde ich Dich lieben."

Du und ich, wir sind so schwach. Wir sind unvollkommen, voller Fehler. Ängste, Leere, Unzufriedenheit, Gier machen aus uns nicht gerade Idealgestalten. Wir suchen nach Befreiung aus dem Druck, nach Stillung der Unruhe, nach Erfüllung. Wir klammern uns fest, und wir stoßen zurück. Wir wären verloren, wäre da nicht die Liebe. Du und ich. Wir bleiben unvollkommen. Nicht edle, reine Ideen treiben uns an. Und doch: Alles ist anders. Und bleibt anders.

"Immer schon habe ich Dich geliebt.
Immer werde ich Dich lieben."

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"Was ist Liebe", fragst Du mich. "Was ist ... Liebe?"

Du sahst mich verbittert an, und um Deine Mundwinkel zuckte es spöttisch.

Was ist Liebe?

Ihr hattet doch ernsthafte Krisen in Eurer Ehe überwunden, und jetzt diese Frage. "Was ist Liebe?" Im ersten Ehejahr war es ganz schlimm gewesen, Du warst krank, anders kann ich Deine seelische Störung nicht nennen, Marie war schwanger, Du brauchtest ihre Hilfe, ihre Liebe, sie brauchte Deine Hilfe, beide konntet Ihr einander nicht helfen, obwohl auf beiden Seiten der Wille dazu vorhanden war. Schließlich ging es aufwärts mit Dir, wie durch ein Wunder, Du fandest die Kraft, über Deinen Tellerrand hinauszusehen, Du konntest Marie helfen, und allmählich renkte sich alles ein. Es gab Rückfälle, und es gab Zeiten, da wart Ihr beide empfindlich wie Mimosen. Doch dann habt Ihr Euch zusammengerissen, Euch nicht von Euren Gefühlen fortschwemmen lassen, und Ihr fandet zueinander. In den letzten Jahren ging alles ganz gut, hatte ich den Eindruck. Liebe war da.

Und jetzt diese Frage: Was ist Liebe? Ausgerechnet ich, ein Mathematiker, soll eine Antwort darauf finden. Auf Liebe. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, daß ich eine Antwort geben kann. Sagen kann, was Liebe ist. Jedenfalls denke ich, daß es keine Antwort gibt, die man in Worte fassen und auf ein Stück Papier schreiben kann.

Natürlich weiß ich, es gibt viele Wörter und Worte über die Liebe, viele beschriebene und bedruckte Seiten über die Liebe, Millionen und Abermillionen: "Liebe ist ... Bei der Liebe handelt es sich um ... Um zu lieben, muss man nur ... Einfach Liebe ..." Und doch glaube ich nicht, ein Mensch könne dadurch die Liebe lernen. Vielleicht kann jemand lernen, die in ihm verborgene Liebe sichtbar zu machen. Vielleicht kann die Liebe in sein Inneres kommen, sein Herz finden, wie ein Geschenk, das man eben nicht kaufen kann, sondern von jemandem ohne Anspruch darauf erhält. Vielleicht kann ein Mensch lernen, mit seiner Liebe besser umzugehen, vielleicht kann er die Liebe pflegen und verfeinern. Aber die Liebe als solche lernen?

Daß es Umschreibungen und Schilderungen und Darstellungen der Liebe in Gedichten und Aphorismen, in Romanen und Dramen, in Liedern und Filmen gibt, weiß jeder. Doch man sollte es nicht glauben, einige meinen tatsächlich, Liebe definieren zu können. Sie wollen Liebe in eine Formel fassen oder in ihre Bestandteile zerlegen. Kürzlich erst las ich, Liebe bestehe aus zwei "Elementen": dem Verlangen, dem geliebten Menschen nahe zu sein, und dem Antrieb, dem anderen Gutes zu tun. Je nach "Art" der Liebe und nach Einzelfall überwiege mal die eine "Komponente", dann wieder die andere. Und dann gäbe es noch die unglücklichen "Konstellationen" der Liebe, etwa indem ich dem anderen nur dadurch Gutes tun kann, daß ich mich von ihm fernhalte. Sollte ich als Wissenschaftler Dir etwa solche "Definitionen" über die Liebe zumuten, nur damit ich Deine Frage seriös beantworten kann? Natürlich ist etwas "dran" an solchen Erklärungen, aber es bleiben unzureichende und meines Erachtens vergebliche Versuche. Vielleicht sind sie manchmal hilfreich, das eigene Verhalten ein wenig besser zu beleuchten. Mehr auch nicht. Diese "Elemente" können Anzeichen der Gegenwart von Liebe sein, sie können andeuten, daß hier Liebe zugegen ist, doch sie sind nicht selbst die Liebe.

Was ist Liebe? Ich kann es nicht sagen. Ich kann vermuten, kann ahnen, kann von ihr ergriffen, überwältigt werden - aber sagen kann ich es nicht.

Und Deine Liebe? Eure Liebe? Ob sie noch da ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie verschüttet worden im Laufe der Ehejahre. Vielleicht ist die Liebe zugestaubt. Wenn alles sich einschleift, kann das vorkommen. Oder wenn ununterbrochen Neues und Ablenkendes da ist. Oder wenn man sich nicht mehr bemüht, über den eigenen engen Horizont zu schauen. Oder wenn man vor sich selbst flieht. Oder wenn man sich der Angst ergibt, vor der Zukunft, oder vor den Schmerzen, die die Liebe zwangsläufig mit sich bringt, wenn dem anderen etwas Schlimmes zustößt. Oder wenn man einfach nicht mehr "ich liebe Dich" sagt und "ich liebe Dich" handelt: nicht nur wöchentlich, nicht nur täglich, sondern immer wieder und immer von Neuem. Denn Liebe will Dauer.



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Gedicht über die Liebe

Dir, meinem Du, wünsch ich mich nah,
zu Deinem Wesen sag ich ja.
Will nur das Allerbeste Dir,
Dein Wohlergehn ist Freude mir.
Denk ich an Dich, dann wird mir warm,
doch ohne Dich fühl ich mich arm,
fühl mich verlassen und allein.
Dein Sein erhöht mein eigen Sein.
Das „Du“ ist wichtiger als „Ich“,
ohn Dich verlöre ich auch mich.

Wie soll man Liebe wohl beschreiben,
ihr Wesen klar in Worte fassen?
Würd nicht das Wort den Sinn vertreiben?
Sein Innerstes ersterben lassen?
Schau in des Kindes lächelnd Blick,
in Augen, die vor Freude weinen,
dann weißt Du: das ist Liebesglück,
das ist’s, was zwei und mehr will einen.
Sei sorgsam, wach, dass es nicht trübe,
bring anderen täglich neues Glück,
denn wertvoll ist das Gut der Liebe,
schenkt, was Du gabst, vermehrt zurück.

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