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Fortsetzung zur Rezension des Romans "Parkgespräche" von Christian von Kamp:

Die meisten dieser zu Beginn manchmal oberflächlichen, im weiteren Verlauf des Buches immer tiefergehenden Gespräche werden bei Spaziergängen im Park von Schloß Benrath geführt. Der Leser lernt den Park sehr genau kennen: die gut besuchten Alleen, den Englischen und Französischen Garten, die fast unbekannten und manches Mal etwas dunkleren Nebenstrecken. Bis zur letzten und entscheidenden Szene des Romanes befinden sich die Protagonisten im Park, erst in diesem Moment wechselt die Sicht-Perspektive in das Schloß selbst über, symbolisch und sehr anschaulich für den Perspektiv-Wechsel Michaels aufgegriffen.

Überhaupt wechselt die Perspektive des Buches ständig: mal ein Brief Michaels an Edith, mal ihr Tagebuch, meistens Dialoge. Bei den Briefen muß man einige Male die ersten Sätze gelesen haben, um zu wissen, wer hier schreibt. Aber das schmälert das Lesevergnügen in keiner Weise. Im Gegenteil höchst interessant und psychologisch ausgefeilt stellt sich die charakterliche Veränderung Michaels im Verlaufe der Parkgespräche dar.

Sein Jähzorn stört häufig die Kommunikation, am Ende hat er ihn unter Kontrolle. Zu Beginn starrt er in entscheidenden Momenten auf den Boden, am Ende des Romanes kann er anderen in die Augen sehen.

Am beeindruckendsten aber ist Michaels Suche nach Gott und dem Glauben. Er sucht seit Jahren intensiv und ist vorübergehend in die Fänge eines Gurus namens Premananda geraten. Seine ständigen und bemühten Versuche, durch Yoga zur Glückseligkeit zu kommen, scheitern. Nicht zufällig zu Pfingsten erkennt er, daß „alles beseelt ist“, ohne es zu wissen, durchweht ihn offensichtlich schon der Heilige Geist. Edith ist eine gläubige Katholikin und immer öfter geht er, „weil es sich so ergab“, in Heilige Messen. Die Gespräche konzentrieren sich immer mehr auf wirklich wesentliche Dinge: Dasein, Ewigkeit, Schöpfung, bis Michael nach langen inneren Kämpfen und Wirrungen, nach völlig mißglückten Satsangas der Guru-Anhänger, nach Kontakten mit Mormonen und Atheisten endlich seinen Frieden findet: bei einem „Wandelkonzert“ (man beachte die Doppeldeutigkeit des Namens beim Lesen des Buches).

Die Namen hätten etwas weniger gleichartig konstruiert sein können (Sichelschmidt, Hollerschwandtner, Ammenwerth, Kröllermann), man könnte eine gewisse Kinderfeindlichkeit entdecken, die vermutlich zum „alten“ Michael paßt, aber auch dem „neuen“ Michael zu eigen ist. Ein interessanter literarischer Kniff ist es, daß man das Vorwort erst verstehen kann, wenn man den Roman gelesen hat.

Die Sprache ist sehr ausgefeilt, teilweise fast lyrisch, wobei Edith immer wieder einmal in die Tiefen der proletarischen Aussprache hinabsteigt, während Michael sich grundsätzlich eines gehobenen Sprachstils befleißigt. Als fast psychologische Charakterstudie und gleichzeitige Liebeserklärung an den Park von Schloß Benrath ist der Roman ein Lesegenuß.

Rezension: Alexandra Maria Linder M.A.

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